Was können die Ursachen von Migräne sein?
„Die Migräne ist eine Erkrankung, die derzeit durch medizinische Maßnahmen nicht heilbar ist. Die Intensität der Migräneanfälle und die Anfallshäufigkeit kann durch geeignete Maßnahmen reduziert werden. (Wikipedia)“
Neben Medikamenten werden Methoden genannt wie Yoga und diverse Entspannungstechniken, die teilweise lindern.
Auch die Alexander Methode gehört dazu, denn ihre Wirkung liegt darin, dass Muskulatur entspannt wird.
Wie geht die Alexander-Technik vor?
Die Alexander Lehrer*in sucht zusammen mit dem Betroffenen danach, ob es an bestimmten Körperstellen auffallende Muskelanspannungen gibt. Hat man diese entdeckt, schaut man danach, weshalb es an jenen Stellen zu übermäßigen Anspannungen kommt. Meistens hat es damit zu tun, dass die körperliche Statik aus der Balance geraten ist. Konkret heißt das zum Beispiel, dass man immer zusammen gesackt sitzt und steht. Dadurch hat man sich angewöhnt, den schweren Kopf nach hinten unten zu ziehen. Somit ist die ausgeklügelte Art und Weise, sich zu halten und zu bewegen, komplett aus dem Gleichgewicht geraten.
Wenn wir den Mut haben und uns ehrlich im Spiegel anschauen, können wir die Disbalance sehen.
Und wenn wir dann ein Bild eines Menschen anschauen, der aufrecht ist, der, umgangssprachlich, eine gute Haltung hat, dann sehen wir den Unterschied zu uns. Wir sehen, dass wir unsere fein abgestimmte Körperbalance mehr oder weniger durcheinander gebracht haben. Der größte Verursacher von schädigender Haltung passiert durch die Kopfhaltung. Und gleichzeitig leidet die Balance des Kopfes am meisten, wenn die Statik, beginnend bei den Füßen, durcheinander ist.
Die Alexander Methode zeigt, wie man zurückfindet zu der passenden Statik, die ermöglicht, dass der Kopf mit geringst möglichem Aufwand gehalten werden kann. Man lernt, wie man optimal balanciert auf den Füßen steht, sodass die fein abgestimmte Muskelarbeit des gesamten Körpers dem Kopf die nötige Stabilität geben kann.
Warum spielen die Muskeln zwischen Kopf und Hals eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit Migräne?
Die Kopf- und Nackenregion wird als eine der komplexesten Regionen des ganzen Körpers beschrieben.
Das wundert nicht, wenn man einen Blick auf die Anatomie wirft: wie ist es möglich, dass der Kopf recht beweglich auf der Wirbelsäule aufliegt und gleichzeitig keinen Mikromillimeter auf der Auflagefläche verrutschen darf?
Man stelle sich vor: Der Kopf wiegt ca. 3-4 kg, während die beiden Auflageflächen auf dem obersten Wirbel nur ca. 1-2 cm lang sind. Nun muss man sich vorstellen, dass das Rückenmark unbeschadet vom Schädel in den Wirbelkanal gelangen muss.
Dieser Übergang ist nicht durch Knochen geschützt, es gibt da Stellen, an denen das Rückenmark frei liegt. Der Kopf balanciert frei auf den kleinen Auflageflächen des obersten Wirbels. Das Wichtigste, was garantiert, dass der Kopf keinen Mikromillimeter verrutscht, sind Muskeln. Stellt man sich vor, wie lebenswichtig dieser Übergang ist, und gleichzeitig wie schwer der Kopf ist, dann grenzt es an ein Wunder, dass Muskeln in der Lage sind, jede unvorhersehbare Erschütterung auszugleichen und zu verhindern, dass an dieser Stelle Rückenmark verletzt wird!
Diese Muskeln, die dazu in der Lage sind, sind die tiefliegenden Nackenmuskeln. Davon hat der Mensch 3 Paare, jeweils symmetrisch angeordnet. Diese Muskeln sind mit, im Körper einzigartig, vielen Rezeptoren ausgestattet. Daher können sie geringste Veränderungen sofort wahrnehmen und Reaktionen auslösen. Somit verhindern sie, dass Rückenmark durch abrupte Bewegungen beschädigt wird. Sie schützen uns permanent vor der großen Gefahr der „Querschnittslähmung“- was für eine unfassbare Leistung.
Es wird nach wie vor nach den Ursachen für die Entstehung von Migräne gesucht. Was man vermutet und ansatzweise erforscht hat, ist, dass Muskelverspannungen im Halsbereich zu Migräne beitragen können. Insbesondere Muskelverspannungen im Kopf- und Halsbereich sollte man sich genauer anschauen.
Was geschieht mit diesen tiefliegenden Muskeln, wenn man eine Fehlhaltung hat?
Wenn man eine Fehlhaltung im Kopf- und Halsbereich hat, müssen die äußeren Muskelschichten, die eigentlich für die Bewegungen zuständig sind, mithelfen, den schweren Kopf Mikromillimeter genau auf dem obersten Wirbel zu halten. Das ist aber eigentlich die Aufgabe der Stützmuskulatur, zu der auch die tiefliegenden Nackenmuskeln gezählt werden.
Eine weit verbreitete Fehlhaltung ist: Der Hals wird weit nach vorne gestreckt und der Kopf wird nach hinten unten gezogen. Das ist sehr ungünstig. Denn der Kopf ist ja so auf der Wirbelsäule positioniert, dass der Kopf nach vorne unten sinken würde, wenn man ihn loslassen würde. Von daher ist die optimale Kopfhaltung die, bei der der Kopf nur sowenig wie absolut nötig nach hinten gezogen wird. Man muss sich immer vorstellen, wie schwer der Kopf mit seinen 3-4 kg ist. Zum Glück nehmen wir das Gewicht des Kopfes nicht wahr, da wir uns so sehr daran gewöhnt haben. Aber: es existiert natürlich trotzdem.
Also, jede Fehlhaltung erzwingt, dass die Bewegungsmuskeln Haltearbeit machen müssen. Das heißt, dass diese Bewegungsmuskeln verspannen, sie werden fest und schmerzen. Und sie schränken die Beweglichkeit der Rippen und somit unsere Atmung ein. Die lebensnotwendige Versorgung mit Luft und die Entsorgung verbrauchter Luft wird eingeschränkt. Unser lebenserhaltenden Funktionen und unsere Muskeln leiden. Natürlich leiden auch die Gelenke und die Bandscheiben.
Was bedeutet eine Fehlhaltung mit allen Konsequenzen daraus für die tiefliegenden Nackenmuskeln?
Dieses Gebiet steht noch am Anfang der Forschung. Aber was man in kleinen Studien herausgefunden hat: die tiefliegenden Nackenmuskeln verändern ihre ursprüngliche hochsensible Arbeit, wenn es Nackenverspannungen der Bewegungsmuskeln gibt aufgrund ungünstiger Haltungsgewohnheiten.
Genau dort setzt die Alexander-Methode an: die Nacken- und Schulterspannungen zu reduzieren, um die hochsensible Arbeit der tiefliegenden Nackenmuskeln nicht weiterhin zu stören.
Wodurch hilft die Alexander-Technik bei Migräne?
Durch die gut ausgebildeten Hände der Alexander-Lehrer*in kann sehr genau gespürt werden, an welchen Stellen im Körper zu viel Muskelspannung vorhanden ist. Durch die geschulte visuelle und taktile Wahrnehmung kann die AT-Lehrer*in wahrnehmen, wo sich Fehlhaltungen befinden, und wie diese sich im Gesamt des Körpers auswirken. In einem Gespräch wird das alles dann mit der Klient*in besprochen.
Dieses Gespräch ist sehr wichtig. Denn nur wer versteht, wo genau etwas verändert werden muss, ist in der Lage, das Gewünschte zu verändern.
Im 2. Schritt zeigt einem die Alexander-Lehrer*in durch Worte und durch ihre, bei Bewegungen begleitenden, Hände, wie die ideale Haltung- und Bewegungsweise aussieht und wie sich anfühlt. Die neue und bessere Haltungs- und Bewegungsweise übt man im Stehen, im Bücken, im Hinsetzen, im Sitzen, im Aufstehen, im Gehen und im Liegen. Also all die Bewegungsweisen, die unser Leben ausmachen.
Die gesamte Alexander-Technik Arbeitsweise wird als sehr angenehm empfunden, was kein Wunder ist. Denn die Alexander-Technik Arbeit besteht darin, zu viel Muskelanspannungen zu verringern, und das richtige Maß für Nicht-Zuviel und Nicht-Zuwenig Tun zu finden. Man lernt durch Erfahrung, einzelne Körperregionen weniger anzuspannen bei allen Tätigkeiten, die ein Mensch im Laufe eines Tages so macht.
Hilft die Alexander-Technik im akuten Zustand?
Die Alexander-Technik hilft im akuten Zustand nur denjenigen Menschen, die schon etwas vertraut sind mit der Alexander Vorgehensweise. Wenn man ca. 15-20 Alexander-Stunden hatte, dann kann man auch in einer Notsituation, die die Migräne ja ist, sich selbst besser lenken und Entspannungen bewirken, sogar dort, wo sich Verspannungen akut verstärkt haben. Jedoch wirkt das nicht so, als würde man einen Knopf drücken und das Licht geht an. Es ist ein Weg der Übung, immer wieder das Gelernte anzuwenden und im Laufe der Zeit reduziert man immer mehr all die unnötigen Verspannungen. Die hauptsächliche Wirksamkeit der Alexander-Technik liegt somit eher in der Prävention, in der achtsamen Selbstfürsorge.
Ist die Alexander-Technik vorbeugend hilfreich?
Ja, unbedingt! Denn der Mensch findet zurück zu einer im gesamten Körper ungestörten Weise sich zu halten, zu bewegen, zu atmen und zu sprechen. Dadurch verbessert sich der Allgemeinzustand der Funktionen wie Atmung und Verdauung, ebenso werden Muskeln ihnen gemäß stimuliert, wie auch die Gelenke und Bandscheiben optimale Gebrauchsweise erfahren. Die Art und Weise, sich mühelos aufrecht zu halten und sich geschmeidig zu bewegen wird verbessert. Der Mensch lernt, seinen Körper in einer statisch und mechanisch vorteilhaften Weise zu benutzen. Dadurch baut sich insgesamt weniger Anspannung im gesamten Körper auf, bis hin zu den tiefliegenden Nackenmuskeln. Auch hier lernt der Mensch immer frühzeitiger zu spüren, wenn sich zu viel Spannung aufbaut. Und, das ist das Wichtigste, er ist immer mehr in der Lage, diesen Kreislauf zu stoppen. Natürlich ist das nur mit geduldiger und gut angeleitetem Alexander-Unterricht möglich. Es lohnt sich: denn ein Mal gelernt, wird es immer verfügbar sein.
