Was genau tut weh, wenn man Rückenschmerzen hat?
Wenn der Rücken weh tut, was tut dann eigentlich weh? Sind das die Wirbel, oder die Bandscheiben, oder die Nerven, die die Schmerzen machen? Oft sind es zum Glück nur verspannte Muskeln, die weh tun.
Es gibt Rückenschmerzen, die latent immer da sind, mal schwächer, mal stärker. Oder es gibt einen plötzlichen starken Schmerz, den wir umgangsprachlich als Hexenschuß bezeichnen.
Was läuft da eigentlich schief? Denn eigentlich müsste der Rücken doch funktionieren, beweglich und belastbar sein ohne jegliche Beschwerden und Einschränkungen.
Jede von uns kennt Muskelschmerzen in Form von Muskelkater. Das können teilweise sehr starke Schmerzen sein, so dass fast keine Bewegung mehr möglich ist.
Das zeigt uns, dass Muskeln wirklich weh tun können.
Sie tun sehr weh, wenn sie entweder überanstrengt sind ( siehe Muskelkater) oder, wenn sie verspannt sind. Ihre natürliche Eigenschaft ist, beweglich und elastisch zu sein. Wenn sich jedoch ein Muskel verspannt, dann ist er genau das nicht mehr: beweglich und elastisch. Beschwerden sind die Folge.
Warum verspannen Muskeln?
In dem Fall, dass es Rückenschmerzen sind, die plötzlich da sind, haben sich Muskeln ad hoc verspannt. Meistens deswegen, weil eine Bandscheibe oder ein Nerv in Gefahr waren. Wir nennen das im Volksmund Hexenschuss. (Mir wäre lieber, wir hätten einen anderen Begriff dafür. Denn der Begriff Hexen ist ja ein sehr diskriminierender Begriff ). Der „Hexenschuss“ ist im Grunde genommen eine 1. Hilfe-Reaktion des überaus komplexen Körpersystems mithilfe der Muskeln. Man muss eigentlich dankbar sein, dass Muskeln so schnell und so stark verspannen können. Denn sie haben die Funktion zu schützen. So wird eine Verletzung der Wirbel, der Bandscheiben und somit des Rückenmarks verhindert.
In dem Fall, dass es Rückenschmerzen sind, die latent mal schwächer und mal stärker da sind, kommen die Schmerzen aus anderen Gründen als jene wie beschrieben beim „ Hexenschuss“.
Dazu ein kleiner Exkurs in die Muskelkunde: es gibt 2 Arten von Muskeltypen. Die einen sind für die Aufrichtung da. Sie liegen ganz nah entlang der Wirbelsäule und zwischen den Rippen. Diese Muskeln können uns 12 und mehr Stunden aufrecht halten. Das heißt, dass sie nicht schnell ermüden. Im Gegensatz zu dem Muskeltyp, der mehr für die Beweglichkeit zuständig ist. Diese Muskeln, mit denen man zum Beispiel einen Arm hebt, könnten niemals 12 oder mehr Stunden den Arm oben halten. Sie sind eben nicht zum Stützen gedacht, sondern, wie gesagt, für die Bewegung.
Das Interessante ist, dass bei Fehlhaltungen oder, genauer gesagt, bei einer ungünstig balancierten Haltung, diese Bewegungsmuskeln plötzlich Halte-und Stützarbeit übernehmen.
Ein Beispiel: die oft vorkommende Haltung, am Computer sitzend, ist, den Kopf samt Hals nach vorne zu strecken. Das macht man nicht nur 1 Mal, sondern immer und oft. Dadurch werden
Fehlhaltungen zur Gewohnheit und schon haben wir das ausgeklügelte System der verschiedenen Muskeltypen aus Bewegungs- und Stützmuskeln durcheinander gebracht.
Diese Muskeln, die eigentlich beweglich sein müssen, werden starr, weil sie Haltearbeit übernehmen, und fangen eines Tages an zu schmerzen. Denn sie sind ja für die Bewegung gedacht!
Neuerdings fand man heraus, dass sich die Stützmuskulatur zurückbildet, wenn die Bewegungsmuskeln Stützarbeit übernehmen. Durch eingeschliffene Fehlhaltungen, bei denen die Bewegungsmuskulatur zur Stützmuskulatur wird, gelingt eine aufrechte Haltung, wie sie von unserer Körper-Natur aus gedacht ist, nicht mehr. Zu sehen ist das an Rundrücken, in-sich-Zusammensinken und nach vorne hängenden Schultern.
Da der Mensch sich an alles gewöhnt und somit Fehlhaltungen als normal empfindet, bleibt der Mensch gefangen in all seinen ungünstigen Gewohnheiten. Der Mensch fühlt sich in seiner vertrauten Weise wohl. Nach Jahrzehnten aber beginnt der Körper ungünstige Weisen des Selbst- Gebrauchs nicht mehr tolerieren zu können. Es zeigen sich dann die Symptome, wie zum Beispiel in Form von Rückenbeschwerden.
Warum kommt es dazu, dass laut einer Studie vom RKI 63 % der Menschen in Deutschland von Rückenschmerzen betroffen sind?
Heutzutage, das wissen mittlerweile alle, sitzt der Mensch zu viel. Das fängt schon als Kleinkind an. Von Beginn seines Leben an bewegt sich der Mensch sitzend fort: im Kindesalter im Buggy ( vor 65 Jahren gab es keine Buggys) , dann im Auto. Darüber hinaus wird immer mehr die Arbeit sitzend erledigt.
Der Mensch, der von Natur aus ein Läufer ist, dessen Körper dafür gemacht ist, den ganzen Tag zu laufen und sich vielseitig zu bewegen, lebt heute auf extrem wenig Bewegung reduziert.
Das gefährdet unsere Gesundheit. Die Muskeln, Sehnen, die Bandscheiben und die Gelenke brauchen viel Bewegung, um über viele Jahrzehnte hinweg elastisch und gesund zu bleiben.
Wie gefährlich sind Rückenschmerzen?
Unser Körper hält sehr lange Fehlbelastungen und Fehlgewohnheiten aus. Bis es dazu kommt, dass Schmerzen entstehen, sind bereits viele Jahre vergangen, in denen man sich schon Schaden zugefügt hat.
Jetzt, da Schmerzen auftreten, ist es daher sehr ernst zu nehmen. Der Schmerz ist nur die Spitze vom Eisberg. Über viele Jahre hinweg sind auf den Rücken ungünstige Belastungen ausgeübt worden.
Man sollte unbedingt etwas tun, um diese schädigenden Haltungs- und Bewegungsgewohnheiten, die zu den Schmerzen geführt haben, zu erkennen. Um dann in einem zweiten notwendigen Schritt zu lernen, seinen Rücken, wie auch den gesamten Körper, so zu bewegen, wie es dem Körper gut tut. Wenn man jedoch die Schmerzen nicht als lautes Signal wahrnimmt und grundlegende Änderungen unterlässt, dann kommt es im Laufe der Zeit zu echten Problemen. Es zeigen sich Abnutzungserscheinungen in den Gelenken und in den Bandscheiben, die Muskeln werden so hart, dass die Beweglichkeit drastisch eingeschränkt wird und Schmerzen gehäuft auftreten.
Welche einfachen Hausmittel helfen akut gegen Rückenschmerzen?
Kann man sich noch einigermaßen bewegen, dann ist an erster Stelle zu raten, die betroffene Körperregion mit Wärme zu versorgen. Da gibt es entweder eine warme Decke mit oder ohne Wärmflasche, die man sich umbindet. Oder man kann auch Wärme erzeugende Pflaster zu Hilfe nehmen.
Viel warme Getränke zu sich zu nehmen, die weder Teein, Koffein noch Alkohol und Kohlensäure enthalten, unterstützen in vielerlei Hinsicht die Entspannung.
Entspannende Musik trägt auch dazu bei, dass sich Verspannungen anfangen zu lösen.
Zu wissen, dass Entspannung die Medizin ist, und dass man dies selbst in der Hand hat, trägt auch zur Entspannung bei: denn ob man ängstliche Gedanken oder vertrauensvolle Gedanken in die eigene Handlungsfähigkeit hat, hat auch Wirkung auf den körperlichen Bereich. Daher ist es sehr entspannend, wenn man weiß, dass man selbst etwas tun kann, um wieder auf die Beine zu kommen.
Welche Übungen helfen als 1. Hilfe?
Die erste Frage ist immer, ob man sich hinlegen soll. Zu raten ist jedoch, mit viel Vorsicht in der Bewegung zu bleiben. Man sollte hinhören und genau herausfinden, bei welchen Bewegungen der Schmerz stärker wird und diese Bewegungen gilt es zu vermeiden. Ansonsten ist es hilfreich, den Körper sanft und bewußt weiterhin in der Bewegung zu halten.
Zwischen hinein ist es zur Entspannung sehr unterstützend, sich auf den Rücken zu legen. Bandscheiben und Muskeln regenerieren dadurch. Dabei sollte man sich nicht auf eine allzu weiche Unterlage legen, sondern eher einen härteren Untergrund vorziehen. Denn, es klingt paradox, entspannt der Körper schneller, wenn man klar und eindeutig spürt, dass da ein zuverlässig tragender Boden ist. Die Beine sollten unbedingt mit Kissen in den Kniehöhlen unterlegt sein. Wenn es möglich ist, kann man natürlich die Beine abgewinkelt hoch legen. Auch das entspannt die Rückenmuskulatur.
Sanfte Dehnbewegungen sind auch wirksam. Man muss sich vorstellen, dass es verspannte Muskeln sind, die weh tun. Daher tut es nur allzu gut, die Rückenmuskeln leicht und bewußt zu dehnen. Wichtig ist, es nicht automatisch und mit Kraft zu tun. Sondern sehr aufmerksam wahrzunehmen, ob es wohltuend ist. Sobald es nicht mehr angenehm ist, sollte man nicht stärker dehnen, sondern genau nur so weit, wie es sich gut anfühlt.
Geeignet sind dafür alle Bewegungen, die dehnen und auf alle Fälle nicht weh tun.
Was hilft, um auf lange Sicht vor Rückenschmerzen gefeit zu sein?
Ausgehend davon, dass der Körper eigentlich keine Haltungsschmerzen haben sollte, lässt sich schlussfolgern, dass irgend etwas schief läuft in der Art und Weise, wie man sich bewegt, wie ich mich halte. Dass man es also selbst verursacht durch jahrelange ungünstige Weisen, wie man sich bückt, sitzt und läuft.
Daher ist es naheliegend, dass in einer Studie über verschiedene Methoden zur Vermeidung von Rückenschmerzen heraus kam , dass die ganzheitliche Körpertherapie, die Alexander-Technik, sehr wirksam ist und anhaltendeVerbesserungen erzielt.
Wodurch gelingt das?
Am Anfang steht immer eine Bestandsaufnahme. Die Alexander-Technik-Lehrer*in analysiert mit dem Betroffenen zusammen, welche Haltungs- und Bewegungsgewohnheiten so ungünstig sind, dass daraus im Laufe der Zeit Beschwerden entstanden sind.
Im zweiten Schritt wird vermittelt, zu spüren, wann man sich ungünstig hält und bewegt. Gleichzeitig erfährt man, wie es sich anfühlt, wenn die Bewegungsweise stimmig ist, wenn die Haltung und die Bewegungsweise der anatomischen Ordnung unseres Skeletts und unserer Muskeln entsprechen.
So lernt man auf eine praktische Art und Weise, das nicht mehr zu tun, was zu den Rückenschmerzen geführt hat. Stattdessen findet man zurück zu der gesunden Weise, in seinem Körper zu sein. Und hat mit Sicherheit auf Dauer wesentlich weniger Beschwerden mit dem Rücken.
Durch die Alexander-Technik lernt man eine verbesserte Gebrauchsweise seines Körpers, die man ein Leben lang nicht mehr vergißt.
Die Alexander-Technik ist der Ansicht, dass man ein vages aber korrektes Bild von den anatomischen Gründen der Beschwerden haben sollte, die man hat. Warum? Weil das wie ein Fundament ist, auf dem darauf aufbauend eine korrigierende und nicht mehr schädigende Art und Weise, mit unserem Körper umzugehen, entwickeln werden kann.
Daher ist die Alexander-Technik nicht nur eine Methode für den Körper, sondern sie bezieht auch unser Denken mit ein.
Unterricht in Alexander-Technik zu nehmen, ist keine Ausgabe, sondern eine Investition in eine gesunde Zukunft.
